Hoher Norden 4 Intermediate I/II

Kurzinfo * Veranstalter * Leitung

Somatic Experiencing (SE)® Laufende Fortbildungen

Ein Quereinstieg in die laufenden Fortbildungen ist nicht möglich, jedoch können Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus einer Fortbildung bei einem anderen Organisator bei uns einen Block nachholen.

Anbieter
Berufsverband Akademischer PsychotherapeutInnen e.V.

Trainerin
Marinka Gattnar

Beschreibung

Somatic Experiencing (SE)® ist eine psychophysiologische Methode zur Überwindung von posttraumatischen Störungen und zur Befreiung der darin gebundenen Lebensenergien.

Menschliche Reaktionen auf Bedrohung sind primär instinktiv und biologisch und erst sekundär psychisch und kognitiv. Sie beinhalten drei angeborene Überlebensstrategien: Flucht, Kampf und Tot-Stell-Reflex (Immobilität). Diese drei Reaktionen sind allen Säugetieren gemeinsam. Was geschieht, wenn wir uns bedroht fühlen? Wir orientieren uns und versuchen die Gefahr einzuschätzen. Erleben wir eine Situation als bedrohlich, mobilisieren wir all unsere Energien für Flucht oder Kampf. Wenn wir damit erfolgreich sind, findet der Organismus auf natürliche Weise wieder sein Gleichgewicht. Ist ein Ereignis jedoch so überwältigend, daß wir nicht kämpfen oder fliehen können, werden diese Reflexe zwar initiiert, kommen aber nicht zur Ausführung. Als letzte Strategie bleibt uns nur der Tot-Stell-Reflex. Hält diese Immobilität zu lange an, kann sich die enorme ‚eingefrorene‘ Energie nicht entladen; die hohe Aktivierung im Nervensystem bleibt bestehen. In der Folge, oft erst nach Jahren, bilden sich Symptome, die schwerwiegend und auch chronisch werden können.

Trauma ist die biologisch unvollständige Antwort des Körpers auf eine als lebensbedrohlich erfahrene Situation.

Die Ursachen von Trauma können Ereignisse sein, die fast immer für jeden traumatisierend sind: z.B. Krieg, schwerer Missbrauch, Gewalt, Unfälle, schwere Verletzungen und Krankheiten, Operationen, Verlust eines nahen Menschen, Naturkatastrophen u.a. Jedoch auch scheinbar alltägliche, oft unerwartete Ereignisse, können unter bestimmten Umständen traumatisierend sein: Stürze und sog. kleinere Verletzungen, Unfälle, invasive medizinische und zahnmedizinische Behandlungen, Vergiftung u.a. Die Verletzlichkeit ist auch abhängig von eigenen Ressourcen, körperlicher Konstitution, Familiendynamik, Lebensumständen und Alter. So können für ein kleines Kind schon die Geburt, mangelnde Bindung, allein gelassen werden, plötzliche laute Geräusche, große Hitze oder Kälte und längere Ruhigstellung traumatisierend sein.

Trauma selbst ist keine Krankheit, kann aber Symptome verursachen, z.B.: Übererregbarkeit, Ängste, Panik, existentielle Hilflosigkeit und Verzweiflung, Verleugnung, Überaktivität, Depressionen, tiefgreifende Gefühle von Entfremdung, Dissoziation, Bindungsunfähigkeit, Überempfindlichkeit, Schlaflosigkeit, Erschöpfung, chronische Schmerzen, Fibromyalgie, Migräne, Nacken- und Rückenbeschwerden, Probleme mit dem Immunsystem und dem Stand 17-02-2021 3 Endokrinum (z.B. Schilddrüsenfehlfunktionen) u.v.m.. Trauma kann jede Ebene unseres Lebens beeinträchtigen oder stören – körperlich, seelisch, geistig und sozial. Heilung von Trauma geschieht durch die schrittweise Entladung der immensen Überlebensenergie, die noch in der Immobilitätsreaktion gebunden ist. Im Somatic Experiencing (SE)â “verhandeln“ wir das Trauma neu. Dazu ist es nicht nötig, das traumatische Geschehen nochmals kathartisch zu durchleben. Es ist sogar möglich ohne Inhalt oder Erinnerung zu arbeiten. Dies kann sinnvoll sein, vor allem, wenn das Ereignis emotional noch zu belastend ist.

Wesentliche Elemente im Heilungsprozess sind: Erdung, Zentrierung, Ressourcenbildung und das Nachspüren (‚Tracking‘) der Körperempfindungen, Gefühle, Verhaltensweisen, Gedanken, Bilder und Bewegungen. Zunächst werden mit der KlientIn jene Ressourcen entwickelt, die während der ursprünglichen Situation fehlten oder zu schwach waren. Auf dieser gestärkten Basis erfolgt dann die Annäherung an das traumatische Ereignis. Im ‚Pendeln’ zwischen den Ressourcen und der überwältigenden Erfahrung wird die “eingefrorene“ Überlebensenergie “aufgetaut“. Ein Schlüssel dabei ist die sogenannte ‚Titration‘: Die Veränderung soll bewusst in kleinen Schritten erfolgen, damit das System diese auch wirklich integrieren kann. Die unvollständige Überlebensreaktion kommt dadurch zum natürlichen Abschluss und somit auch die Trauma-Symptomatik.

Somatic Experiencing (SE)® ist ein kraftvolles Instrument zur Transformation von Trauma und ermöglicht die Integration alter Verletzungen in die individuelle Lebensgeschichte.

Zurück